Roald-Aktuell


Reisebericht "Roald Amundsen"
Reise Nr. Törn Reisedauer
von - bis
0218a Kopenhagen (DK) - Rostock
Ostseesegeln
Do. 01.08. - Mi. 07.08.02
Das Fahrtgebiet
Die Reise beginnt in Kopenhagen.

Das Schiff liegt an der Pier "Amalienborg" nicht weit vom Schloss "Amalienborg".

Kurze Wege sind es zur kleinen Meerjungfrau, nach Nyhavn oder auch zur Stadtmitte.

Einen schönen Stadtplan findet man unter
"http://www.hot-maps.de" mit Kopenhagen und Straße: Amaliehaven!
Hallo den Schweizern an Bord:
Schweiz Schweiz
Donnerstag 01. August 2002 Schweizer Nationalfeiertag
Freitag 02. August 2002
Hallo Roaldis!

Der gestrige Tag begann mit einem heftigen Regenguss. Die Erfrischung währte aber nicht lange: die Sonne machte bald darauf jegliche Tätigkeit zu einer schweißtreibenden Tortur. Dennoch haben wir hier und da ein wenig gepinselt oder Kopenhagen weiter erkundet. Im Laufe des Tages trafen unsere neuen Trainees ein, die zum Abend von der Kombüse verwöhnt wurden. Gestern war nämlich der Schweizer Nationalfeiertag, daher haben unser Steuermann und unser Trainee aus der Schweitz sich in die Kombüse verholt, um Zürcher Geschnetzeltes mit Rösties zu kochen. Dazu hatten die beiden zuvor die halbe Crew mit dem Schälen und Reiben von Kartoffeln beschäftigt. Leider hat eine Nicht-Schweitzerin die Rösties in der Pfanne anbrennen lassen. Diese Tragödie wurde schließlich mit Nudeln kaschiert. Abschließend gab es einen Kuchen im Design der Schweizer Nationalflagge.

Nach der üblichen Einweisung der Trainees folgte eine warme Nacht, die wiederum von einem heftigen Regenguss beendet wurde.
Um 11:36 haben wir Kopenhagen verlassen, allerdings unter dem Verlust von Ølgår, unserem schwedischen Stamm-Kuh-Fender, der offensichtlich nicht ohne seine "Hebamme" mit uns weitersegeln wollte. Wir dampfen Richtung Süden.
Unsere 12-Uhr-Position war 55° 42' N - 012° 38' E. Die Roald schiebt sich östlich der Insel Amager vorbei und plant, in die Kögebucht einzulaufen. In wenigen Minuten werden wir die Öresund-Brücke überqueren. Nein, nicht unter Segeln und mit Anlauf, sondern einfach dort, wo sie noch als Tunnel verläuft. Trotzdem werden in diesem Moment schon die ersten Segel ausgepackt.

Mit fröhlichen Grüßen von See - die Roald und ihre Crew

Samstag 03. August 2002
Roald Aktuell

Nachdem wir gestern mal wieder vom Wind verlassen wurden, packten wir die noch nicht ganz gesetzten Segel wieder ein, um unter Maschine einen lauschigen Ankerplatz anzusteuern. Um 20:36 Uhr fanden wir diesen in der Kögebucht bei 55° 27,3' N und 012° 13,5' E.

Heute morgen erreichte uns eine Wettermeldung von Bornholm Am Ruder mit 19 Grad und Schneeregen. Erste Vermutungen, dass ein Praktikant in der dortigen Wetterstation die Urlaubsvertretung übernommen haben könnte, bestätigten sich nicht. Über die Roald geht seit 4 Uhr morgens permanent Regen nieder. Auch unsere Wetterwünsche werden vom Wetterdienst nicht besonders zuverlässig bearbeitet - Wind ist bestellt und vorhergesagt, aber noch nicht eingetreten.

Heute um 12 Uhr passieren wir auf Süd-Kurs Stevens Klint an Steuerbord. Leider kann man den dortigen Kreidefelsen wegen des diesigen Wetters nicht erkennen. Darum nehmen wir unter Maschine Kurs auf Möns Klint, um wenigstens vom Ankerplatz aus noch ein paar Felsen zu sehen.
12-Uhr-Position: 55° 18,6' N und 012° 29,1' E

Segel- und sonnenhungrige Grüße von Bord.
Capt.Dirk

Mön Sonntag 04.August 2002
Roald Aktuell

HURRA, wir segeln!
Im trüben Nieselregen haben wir gestern in der Hjelm Bugt eine Seemeile südöstlich von Klintholm (54° 56,5' N - 012° 29,3' E) den Anker fallen gelassen. Die Nacht war ruhig und ereignislos. Aber: unsere Trainees haben ihre Ankerwachen fleißig dazu genutzt, den Belegplan zu lernen. Gleich nach dem Frühstück haben sie alle ihr theoretisches Wissen praktisch anwenden können. Unter Segeln Anker auf! Brassen, brassen, brassen! Das Wetteramt scheint auch wieder vom Praktikanten verlassen worden zu sein, der Wind kommt aus der richtigen Richtung, der Regen hat vor Kurzem aufgehört und langsam lugt sogar die Sonne durch die Wolken, so dass wir achteraus endlich die Kreidefelsen von Mön leuchten sehen. Ohne Ruderlage segeln wir nach Süden. Aus der Kombüse duften schon die Hühnerbrüste - wenn die vertilgt sind, werden wir gegen 12:30 bei 54° 43' N - 012° 27,5 E halsen, um den Berufsverkehr in Ruhe zu lassen. Im Ofen brutzelt endlich wieder ein Kuchen, aber die gestrigen Pfannkuchen mit Apfelmus waren auch lecker.

Wir wünschen euch einen so schönen Sonntag, wie wir ihn haben! Eure Roald!
Capt. Dirk

Royal Montag 05.August 2002
Roald Aktuell

Puh... Wenn Captain Action Ernst macht, kann es ganz schön anstrengend werden. In nackten Zahlen sieht das so aus: Erste Halse um 13:00 bei 54° 43,3' N - 012° 28,8' E. Zweite Halse um 17:00 bei 54° 55,1' N - 012° 21,7 E. Dritte Halse um 19:30 bei 54° 49,8 N - 012° 24,9' E. Um 21:45 unter Segeln den Anker fallen gelassen bei 54° 56,5 N - 012° 21,4' E (das gleiche Ankerloch wie am Vorabend, da unser Parkschein noch nicht abgelaufen sei, munkelt man).

Segel aufgeien, einpacken, beide Toppen frei von den Pardunen brassen. Klar Deck. Bis der letzte Tampen aufgeschossen war, war es 23:05 und stockdunkel. Für den einen oder anderen war das Segelpacken im Dunkeln doch schon das etwas andere Erlebnis, auf jeden Fall sind abends alle müde in die Kojen gefallen.

Heute morgen wieder, Anker auf unter Segeln um 10:10, brassen, brassen, brassen.

Zwerg Es laufen die ersten Vorbereitungen für den morgigen Laubenpiepertag (für nicht Eingeweihte: Seit der Hansesail 1999 feiern wir alljährlich dieses Fest am 6. August, was nicht zufällig auch der Geburtstag unseres inventarisierten Bootsmanns ist. Vor drei Jahren ist der LLaS-Schwesterverein "Laubenpieperkolonie Roland Asmussen" mit Blümchen und Gartenzwerg an Bord gegründet worden). Im deutschen Fernsehen hatte er (unser Gartenzwerg) schon 1999 seinen großen Auftritt. Zum "Tall Ships 2000" durfte er dabei sein. Zur großen Parade in Halifax wurde er getragen. Viele Tausend Meilen war er dabei. In zwischen ist er auch ausgestattet mit Ölzeug, na ja, was so ein zur See fahrender Gartenzwerg nicht alles braucht.

Zwischen den Halsen grüßen die Crew + Captain Action von der 12-Uhr-Position 54° 51,6' N - 012° 23,3' E

Dienstag 06. August 2002
Hallo an alle Roaldis,

Gestern verließen wir im Laufe des Nachmittags bei wechselhaftem (aber tendenziell eher schönem) Wetter dänische Gewässer und nahmen Kurs auf den Darss, wo wir gegen 20 Uhr vor dem Fischland den Anker warfen (Pos.: 54° 24,1' N - 012° 25,9' E).

Irgendeine Nachtwache hat dann wohl den falschen Hebel umgelegt und nicht wieder zugedreht, da wir seit den frühen Morgenstunden alle Luken dicht haben und nassgeregnet werden.
Unter Segeln nehmen wir derzeit Zwerg
Kurs auf die Ansteuerung nach Warnemünde (12-Uhr-Pos.: 54° 23,2' N - 012° 12,2' E). Der Tagesplan sieht vor, gegen 15 Uhr die Warnowmündung zu erreichen und um ca. 17 Uhr im Rostocker Christinenhafen festzumachen
(Pos.: 54° 05,6 ' N - 012° 07,7' E).

Nasse Grüße von Bord,
Capt. Dirk und Crew

Zum Laubenpiepertag
am 06. August eines jeden Jahres!

Einen fröhlichen Laubenpiepertag allerseits!

Wie angekündigt, feiern wir am heutigen Tag zum vierten Mal das Stiftungsfest der Laubenpieperkolonie "Roland Asmussen".
Für alle diejenigen, die sich mit den Ritualen des "Vereins im Verein" nicht so gut auskennen, möchten wir (die anwesenden Gründungsmitglieder) die nötigsten Hintergrundinformationen nachreichen. Es war einmal ein Segeltörn im Sommer 99, als ein Trainee, dessen Name nicht überliefert ist, vom Landgang in Solvesborg mit Balkonblumen zurück an Bord kam. Die Blumentöpfe wurden an der Brücke angebändselt, und unter diesem Anblick wuchs im Seglervolk die Idee, im Verein LLaS eine Floristen-Abteilung zu gründen.
Wenige Tage später kamen mehrere bahnbrechende Ereignisse zusammen: Die Rostocker Hanse-Sail, der Geburtstag unseres Bootsmanns Jens-Peter Wulf sowie die - nicht ganz zufällige - Aufnahme eines 50 cm hohen Gartenzwerges in die Stammcrew, der seitdem seinen Dienst als Gelegenheits-Gallionsfigur sowie als "stummer Navigator" versieht.
Aus Anlass des heutigen Jahrestages wird auf Wunsch der "Roald-Aktuell"-Redaktion der Wortlaut der Stiftungsurkunde der Laubenpieperkolonie "Roland Asmussen" wiedergeben:

Anlässlich der Stiftungsfeier der Laubenpieperkolonie wird hiermit der Laubenpieperkoloniepräsident Jens-Peter ernannt und die Hausordnung festgehalten.

Zwerg 1. Landgangsverbot bei besonderen Anlässen wie dem Geburtstag des Präsidenten.
2. Es werden keine Gefangenen gemacht.
3. Betteln und Hausieren mit Indianerkram ist verboten.
4. Außerhalb der Öffnungszeiten der Hausmeisterei ist ein Höckerchen für den Präsidenten bereit zu halten.
5. Es dürfen auf vereinseigenem Gelände keine Kirchen gebaut werden
(Anm. d. Red.: Laubenpieper-Bezeichnung für: "Es soll nichts unnötig verkompliziert werden."). Müll des Schwestervereins "Leben Lernen auf Segelschiffen" hat geduldet zu werden.
6. Das Gelände muss jederzeit für die Veranstaltung von Engtanzparties zur Verfügung gestellt werden.
7. Der Verein verpflichtet sich zur aktiven Hafenhilfe zugunsten der "Roald Amundsen".
8. Der Verein verpflichtet sich zur lebenslangen Betreuung und Pflege von Schwuli dem Patenten.
(Anm. d. Red.: Laubenpieper-Bezeichnung für unseren Allzweck-Bootshaken, der ebenfalls in Solvesborg an Bord kam.)
9. Schmöken und lautes Schnacken vor den roten Ohren auf dem Gelände ist untersagt.
(Anm. d. Red.: Die roten Ohren sind die Bullaugen an der Präsidentensuite
10. Überschüsse der Vereinskasse müssen für die Errichtung eines schweinischen Whirlpools verwendet werden.

Bei Verstoß gegen die Hausordnung kann der Präsident zu manuellem Anker Auf und Kettenstauen verurteilen. Die Satzung tritt nach Genehmigung des Präsidenten in Kraft und kann nur durch ihn geändert werden.

Rostock, 6. August 1999

Die anwesenden Gründungsmitglieder sind stolz, das dreijährige Laubenpieperjubiläum ebenfalls in Rostock begehen zu dürfen und grüßen ganz herzlich alle, die nicht dabei sein können.

Mittwoch 07. August 2002
Hallo an alle Roaldis

Zum Einlaufen in die Warnow bargen gestern im Sonnenschein alle die Segel, um um 17:00 (auf die Minute nach Plan) in Rostock festzumachen.

Unter den Deckshands haben wir uns einen ausgebildeten Koch für die Backschaft am letzten Abend aufbewahrt, der ein unschlagbares Captain's Dinner unter das Sonnensegel zauberte.

Mittlerweile ist dieser Törn nach dem Reinschiff und der Ausgabe der Meilenbestätigungen zu Ende gegangen, die meisten sind schon auf dem Heimweg. Aber auch für heute stand noch eine feierliche Zeremonie auf dem Programm: In Frederikstadt, dem Geburtsort von Roald Amundsen, wurde dem Schiff eine kleine Büste unseres Namensvetters übergeben. In wochenlanger Schleifarbeit wurde hierfür ein kleines Podest gebaut und in der Messe angebracht. Mit einer Rede zu Ehren Roald Amundsens und einem Getränk wurde die Büste enthüllt.

Käpt'n Dirk und seiner Crew bleibt nur noch, sich bei allen für den schönen Törn zu bedanken. Nun bereiten wir uns auf die lebendigen Tage der Hansesail vor. Just in dieser Sekunde macht die Regina Maris an uns fest.

Nur noch 364 Tage bis zum nächsten Laubenpieperfest, wir freuen uns schon!
Grüße von Captain Action & seiner Crew



Im Gästebuch gelesen!

Name: der stumme Navigator
Datum: Dienstag, 6 August, 2002 um 22:27:00
Kommentar:
Ich hänge unter dem Klüverbaum und feier den Laubenpiepertag. Viele Grüsse von der Roald der Gartenzwerg


Name: Ute
Email: utehaug@gmx.de
Datum: Montag, 5 August, 2002 um 13:39:16
Kommentar:
Liebe Roaldis, tief betrübt habe ich vom Verlust meiner Geburtshilfe, des Stamm-kuh-fenders, gelesen. Ich hoffe aber, daß Euch nicht noch mehr verloren geht! Ich wünschte, ich könnte meinen ersten Arbeitstag auf der Roald verbringen und nicht im regnerischen Hamburg. Euch sei günster Wind und schönes Wetter beschieden und besonders viel Spaß. Ganz herzlich Grüße an alle und besonders an Dirk, Verena, Manuel, Erik, Peterle und Jens-Peter.
Sehnsüchtige Grüße von Ute


Name: Hugo / Toern 218 / 218a
Email: hbauer@racsa.co.cr
Datum: Sonntag, 1 September, 2002 um 04:56:51
Kommentar:
Hallo liebe MitseglerInnen, nun zurueck in fernen Costa Rica, denke ich mit Sehnsucht an den beiden Toerns zurueck. Auf Schweizerdeutsch wuerde ich sagen "i ha mi sau wohl gefüellt". Es war mein erster Toern auf der Roald und absolut sicher nicht der letzter sein. Wesentlichen Grund fuer das gut Gelingen, war eindeutig die tolle Crew an Board. Den Kaptn, die Steuerleute, die Topsis, den Maschi, den Bootsmann und die gesamte Crew einen herzlichen Dank. Ich wuensche Euch allen alles gute und ein aufwiedersehen auf der Roald!!!! Hugo




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